Jeden Dienstag, pünktlich zur Primetime, sitzt der geistig mittelmäßig begabte Bundesbürger vor der Glotze.  
Er ergötzt sich an den bemitleidenswerten Protagonisten der Auswanderershow auf VOX: *Goodbye Deutschland*.  

Regelmäßig werden hier auswanderungswillige Menschen mit der Kamera begleitet, und die Fernsehnation wird Zeuge von grenzenloser Naivität und Blödheit eben dieser Figuren, die zum Teil ohne Geld, ohne Sprachkenntnisse oder überhaupt einen Plan ihr Glück in der Ferne suchen.  

Voller Freude werden die Habseligkeiten zusammengepackt, und los geht es ins große Abenteuer.  
Die ganze Welt wartet schließlich auf Deutsche, die in der Heimat selbst relativ wenig auf die schwach geölte Kette bekommen haben.  

So darf man es sich regelmäßig – am besten mit einer Tüte fettiger und ungesunder Chips – auf dem Sofa bequem machen und, vor Schadenfreude geifernd, dem Schicksal dieser Reality-Stars folgen.  

Einen kurzen Moment darf der geneigte Zuschauer seine eigene mittelmäßige Existenz vergessen. Wie weggeblasen sind Unzufriedenheit und der Groll gegen den schikanierenden Chef und die unfähigen Kollegen.  

Klar, die Auswanderer sind definitiv blöder als man selbst.  

Ein ganz besonderes Exemplar von – ich weiß nicht, wie ich es nennen soll – ganz blöd ist er ja anscheinend nicht, dieser Chris Töpperwien.  
Ein irgendwie schmieriger Typ mit ausgeprägtem Hang zur Hochstapelei. Seinerzeit wanderte er in die USA aus, mit dem festen Willen, die freie Welt mittels Currywurst zu erobern.  
So dauerte es auch nicht lange, bis er unter dem Synonym „Currywurstman“ quasi medial omnipräsent seine Weisheiten zum Besten gab.  

Ihr mögt es mir verzeihen, wenn ich an dieser Stelle keinen kompletten Lebenslauf dieses Currywurst-Würstchens ausbreiten kann. 
Auch vermag ich nicht zu beurteilen, ob die Vorwürfe hinsichtlich Betrügereien tatsächlich zutreffen. Zu wenig interessiert es mich.  

Meine Aufmerksamkeit war jedoch geweckt, als ich – ich gebe es zu – Dienstagabend zu VOX zappte und dort von der dramatischen Situation dieses besagten Chris Töpperwien hörte.  

Er wurde doch tatsächlich bei seiner Einreise nach Deutschland am Flughafen München festgenommen!  

Völlig traumatisiert stand er vor dieser lebensverändernden Situation. Es lag schließlich ein Europäischer Haftbefehl vor. Wie man es so kennt, ist der Delinquent immer total ahnungslos und entsprechend der Situation völlig überfordert.  
Schließlich hatte der bemitleidenswerte Currywurstman einen mehrstündigen Transatlantikflug, wahrscheinlich bequem in der Business Class, hinter sich.  

Wenn man danach von der deutschen Polizei verhaftet wird und dazu weiß, wie konsequent hart und brutal eben diese Beamten vorgehen, ja, das kann selbst die gestandeste Currywurst zu einem kleinen schlaffen Würstchen verkümmern lassen.  

An dieser Stelle ein ganz seltener Schnappschuss und
Relikt der Zeitgeschichte:

Gleich zwei Exemplare zeitgenössischer Medienkunst in Persona völlig talentfreier Schmierenkomödianten

Zugegeben, eine solche Situation ist nicht erstrebenswert und schon gar nicht beneidenswert. Von heute auf morgen seine Freiheit zu verlieren, ist natürlich belastend. Auch ist die Situation, wegen Veruntreuung vor Gericht zu stehen, alles andere als erstrebenswert.  

Von daher hat das arme Currywürstchen tatsächlich etwas von meinem ohnehin selten vorhandenen Mitgefühl.  

Aber wie er nun daraus zusätzlich Kasse machen will, ist schon respektabel. Ganze 90 Minuten jammert er in die Kamera, wie schlimm das alles war.  
Tatsächlich plagte ihn aufgrund der menschenunwürdigen Zustände in der bayrischen Haftanstalt Todesangst. Rund um die Uhr war er der Willkür der bajuwarischen Kerkermeister ausgeliefert, und seine Mitgefangenen warteten auch nur auf das kleinste Zeichen der Schwäche, um ihn fachmännisch auszuweiden.  

Nachdem er nach endlosen zwei Wochen endlich gegen Auflagen aus der Haft entlassen wurde und das Gerichtsverfahren zu seinen Gunsten mit einem Freispruch endete, begann eine neue Episode in seinem Leben. 

Schwer traumatisiert entschied sich der Currywurstman, seine Erlebnisse in einem Buch zu verewigen.  

Auf 276 Seiten verarbeitet er das Erlebte!  
Umrahmt von medialem Gewinsel rührte er reichlich die Werbetrommel. Dessen Höhepunkt sollte eine Lesung in einer Kölner Kneipe sein. Voller Lampenfieber bat der Star des Abends den Wirt zunächst um einen Schnaps – zu emotional war der Moment, das Erlebte mit seinen treuesten Fans zu teilen.  

Fans?
Was treibt einen halbwegs intelligenten Menschen in eine Kneipe, um sich die Lebensgeschichte einer gestrandeten Witzfigur anzuhören?  An dieser Stelle könnte sich eine nähere Betrachtung dieser Figuren ebenso lohnen, aber sei es drum.  

Wobei „Lebensgeschichte“ hier wieder maßlos übertrieben ist.  
Wir erinnern uns: Es geht um zwei Wochen Haft! 

Freudig legen seine „Fans“ am Ende tatsächlich 19,95 Euro auf den Tisch des Herrn, nur um das signierte Exemplar in ihren Wohnzimmerschrank des Gelsenkirchener Barocks verstauben zu lassen.  

Wahrlich ein nettes Zubrot und auch seichte Unterhaltung meinerseits an diesem verregneten Dienstagabend. Viel Aufregendes wurde jedoch nicht berichtet. Was soll auch in einer zweiwöchigen Haft Spektakuläres passieren?  

Töpperwien vermied es, von seinen Erlebnissen in der Gemeinschaftsdusche zu berichten, und ein in diesen Gefilden häufiger auftretender Genitalherpes wurde auch gekonnt ignoriert.  

In diesem Sinne, bleibt stark und  

Gehabt euch wohl  

Euer Ben  

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Ben Ricardo, das Sinnbild für den bösen alten Mann. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und hält jedem die hässliche Fratze des eigenen Spiegelbildes vor

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