Ach, die „Omas gegen Rechts“ – eine Initiative, die klingt wie eine Mischung aus einem Senioren-Tupperware-Club und einer rebellischen Rentner-Widerstandsbewegung. Man könnte meinen, das Biedermeier ist zurück und hat seine gestrickten Sofakissen gegen politische Statements eingetauscht. Doch bevor wir uns zu einem kollektiven „Aww, wie niedlich!“ hinreißen lassen, werfen wir einen Blick hinter die mit Lavendelspray bedüfteten Kulissen.

Moralische Hybris in Stützstrümpfen

Wenn Omas in beige-braunen Windjacken auf Friedensdemos marschieren, Plakate mit Sprüchen wie „Rechts ist uncool“ schwenken und dabei tapfer gegen den Wind der Zeit husten, dann wird klar: Hier geht es nicht nur um politische Gesinnung, sondern um die Frage, wie man das Rentnerdasein mit moralischer Höchstleistung aufwertet. Während ihre Altersgenossinnen sich in All-inclusive-Hotels auf Mallorca die Füße hochlegen, stricken diese Damen ihre Empörung in Regenbogenfarben. Wer braucht Netflix, wenn man eine moralische Agenda hat?

Rentner-Romantik im Widerstand

Die Idee ist natürlich charmant: Die graumelierten Gralshüterinnen der Demokratie stellen sich mit Rückenproblemen und Bünzli-Charme der Bedrohung durch Rechtsradikalismus entgegen. Ein Bild, das gleichzeitig rührend und absurd ist. Denn, Hand aufs Herz: Was genau will ein Neonazi machen, wenn ihm eine Oma mit selbstgebasteltem Anti-Hass-Banner gegenübertritt? Bekehrt vom Duft von selbstgebackenem Apfelkuchen? Oder läuft er weg, weil die Senioren die Polizei rufen könnten, sollte es nach 18 Uhr laut werden?

Die neue Protest-Ikone: Die Oma

Was wäre eine Demokratie ohne ihre gallischen Rentnerdörfer? Man stelle sich vor, wie die „Omas gegen Rechts“ zu Kultfiguren der Instagram-Aktivistenszene werden. Filter? Brauchen sie nicht – die Falten sprechen für sich. Hashtags wie #KnittingForJustice oder #NoPasaranInPantoffeln erobern die sozialen Medien. Junge Leute? Denen fehlt das Durchhaltevermögen. Doch Oma geht nicht nach Hause, bis das letzte Wort gesagt ist. Oder bis die Cafeteria schließt.

Ein Hauch von Nostalgie

Dabei darf man nicht vergessen, dass viele dieser Omas aus einer Zeit stammen, in der man die „Bild“ noch ohne Ironie gelesen hat und Persil-Werbung der höchste Ausdruck von Medienkultur war. Nun also das Comeback als moralisches Gewissen der Nation. Ein bisschen, als würde man eine alte Schreibmaschine zu einem Supercomputer erklären, nur weil sie noch funktioniert.

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht

Das Problem ist, dass die „Omas gegen Rechts“ zwar wunderbar in ihrer Intention sind, aber symbolisch bleiben. Es ist wie ein mit Liebe gebackener Kuchen – lecker, aber längst nicht nahrhaft genug, um die Welt zu retten. Denn so sympathisch es ist, dass sie aufstehen und Flagge zeigen: Ihre Wirkung bleibt begrenzt. Wie oft hat eine Oma schon eine politische Revolution angeführt? Außerhalb von Disney-Filmen eher selten.

Fazit: Stricken gegen den Sturm

Die „Omas gegen Rechts“ sind ein liebenswertes Kuriosum, eine kleine Erinnerung daran, dass Engagement keine Altersgrenze kennt. Doch man sollte sich keine Illusionen machen: Ihre Stricknadeln werden keine politischen Großwetterlagen ändern. Aber hey – wenn der Widerstand schon kommt, dann wenigstens mit Keksen und Kamillentee. Und vielleicht ist genau das die größte Bedrohung für die Rechtsradikalen: Dass man sie mit Zuneigung und Zähigkeit einfach überlebt. Auf ihre Art also doch irgendwie genial.

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Ben Ricardo, das Sinnbild für den bösen alten Mann. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und hält jedem die hässliche Fratze des eigenen Spiegelbildes vor

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